Der Stehendanschlag


Der Stehendanschlag ist auf Grund seiner Physiologie der instabilste aller Anschlagsarten und unterliegt dadurch den größten Bewegungseinflüssen. Er erfordert ein hohes Maß an speziellen Fähigkeiten. Die Stabilität des Stehendanschlages ist hauptsächlich abhängig von der Koordination entspannter und angespannter Muskelbereiche. Muskelanspannungen dürfen nicht zu Verkrampfungen führen. Das Ziel des Trainings besteht darin, ein natürliches Anschlagsgefühl, also einen Anschlag der mit dem geringsten Kraftaufwand eine hohe Stabilität gewährleistet, zu entwickeln.

Fixpunkte des Stehendanschlags, auf die im Trainingsbetrieb besonders zu achten ist, sind:

Geschoßen wird der Stehendanschlag im Rahmen des Dreistellungskampfes und in den Luftgewehrdisziplinen LG 20, LG 40 und LG 60.

Die Fußstellung

Der Fußstellung spielt im Stehendanschlag eine wichtige Rolle, sie ist die Voraussetzung für eine gute Anschlagsstabilität. Besonders die Körperruhe und die Absicherung des Anschlags zur Seite werden über die Fußstellung gesteuert. In einem Winkel von ca. 90 Grad sollten die Füße zum Ziel stehen, ein leichtes Aufdrehen der Fußspitzen zur seitlichen Zielkorrektur ist dabei nicht ungewöhnlich. Die Füßen sollten eine leicht versetzte Position einnehmen, dabei wird der rechte Fuß etwas zurückgesetzt. Der Schütze erreicht damit eine Vergrößerung der Stützfläche und der Anschlag wird nach links abgesichert. Der Abstand der Füße ist annähernd schulterbreit oder breiter zu wählen( siehe Bild 1 ). Wurde vor 20 Jahren noch eine schulterbreite Fußstellung bevorzugt, so ist es heute die breitere Fußstellung die überwiegt. Dadurch wird zwar der linke Fuß etwas mehr belastet, aber gleichzeitig wird die linke Beckenseite angehoben und bietet dadurch dem Stützarm eine bessere Auflage. Wichtig ist, daß die gesamte Fläche des Fußes belastet wird, eine stärkere Belastung der Innen-, Außen-, Fersen oder Ballenbereiche führt unweigerlich zu größeren Körperschwankungen.

Hinweise zu falschen Fußstellungen und ihre Auswirkungen findest Du hier


Die Bein- und Hüftstellung

Eine Grundvoraussetzung für die Einnahme eines stabilen Anschlages ist, daß beide Beine im Knie leicht durchgedrückt sind. Ein gebeugtes Knie verursacht eine stärkere Muskelanspannung und damit verbunden eine erschwerte Nullpunktfindung bei der Anschlagseinnahme. Sowohl seitlich, wie auch in der Höhe ist der Anschlag offen und der Schütze kann mühelos weite Mündungsbewegungen ausführen ( Waffe pendelt aus verschiedenen Richtungen ins Ziel ). Die Zielbildaufnahme wird unter Einsatz der Muskulatur erzeugt, was sich besonders in Streßsituationen in einem instabilen Anschlag äußert. Das linke Bein steht etwa senkrecht zur Bodenfläche bzw. ist nur leicht vorgestellt. Die Hüften sind parallel zur Schußlinie ausgerichtet und leicht in Zielrichtung geschoben, was eine feste Auflage des Stützarmes und eine hohe seitliche Stabilität des Anschlages begünstigt. Im technisch sauberen Stehendanschlag nimmt der Schütze ein gleichmäßig kompaktes Anschlagsgefühl im Bereich der Hüfte war. Die seitliche Drift kann er ohne Kraftaufwand verhindern. Mit der geraden, spannungsfreien Hüftstellung „verriegelt“ der Schütze den Anschlags und sichert ihn nach links ab.


Die Oberkörperhaltung

Der Oberkörper wird nach links verdreht und „fällt geradlinig in sich zusammen“. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, daß die Bauch- und Rückenmuskulatur entspannt ist. Um eine gleichmäßige Anschlagsstabilität zu erreichen ist es wichtig, daß die Oberkörperhaltung bei jedem Schuß in gleicher Weise eingenommen wird. Beim o.g. „Zusammensacken“ empfindet der Schütze eine Druckwirkung, die primär auf den Ellenbogen des Stützarms wirkt.

Hinweise zu Anschlagsfehler und ihre Auswirkungen findest Du hier


Der Stützarm und die Stützhand

Der Ellenbogen des Stützarms wird auf bzw. rechts oberhalb des Hüftknochens angesetzt. Er beeinflußt die Höhe und die seitliche Stabilität des Gewehrs. Das Gewehrgewicht wirkt senkrecht in den Stützarm, die linke Schulter zeigt geradlinig zum Ziel. Das Gewehr kommt so nah zum Körper und bildet somit eine Einheit mit dem Schulter- und Armbereich. Wird der Ellenbogen zu weit nach links gesetzt, wirkt das Gewicht des Gewehres nicht mehr senkrecht in den Stützarm und das Gewehr bekommt eine starke Rechttendenz. Der Anschlag ist im oberen Bereich „offen“, da das Gewehr vom Körper wegtendiert, was gleichzeitig dazu führt, daß der Anschlag mit mehr Kraftaufwand gehalten werden muß. Um die Waffe ins Ziel zu bringen, muß der Schütze den Anschlag nach links aufdrehen, was zu starken Spannungen führt. Setzt der Schütze den Ellenbogen zu weit rechts auf, stellt sich eine ständige Linksdrift ein. Außerdem besteht die Gefahr, daß der Bauchpuls auf das Gewehr übertragen werden kann. Der Stützarmwinkel wird so eingenommen, daß Spannungsfreiheit gewährleistet ist. Einen entscheidenden Einfluß hat der Aufsetzpunkt der Stützhand. Eine zu weit nach vorn gesetzte Stützhand erfordert einen hohen Kraftaufwand und führt zu einer tiefen Gewehrlage, welche durch eine extreme Oberkörper-Rücklage vom Schützen ausgeglichen werden muß. Wird die Stützhand zu nah aufgesetzt, geht das kompakte Anschlagsgefühl in der Schulter verloren. Der Schütze schiebt diese nach vorn und erzeugt eine permanente Linksdrift. Außerdem wird das Gewehr „kopflastig“ und der Schütze hat das Gefühl, daß ihm das Gewehr nach oben aus der Schulter gedrückt wird. Die Druckwirkung des Gewehrs sollte immer geradlinig in die Hand und ins Handgelenk verlaufen. Mit der Handstellung kann der Schütze die Höhenlage des Gewehrs verändern.

Hinweise zu verschiedenen Handhaltungen findest Du hier