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Nun denn, liebe Kinder, lange genug gewartet, es gibt wieder mal eine Geschichte vom kleinen Bankkaufmann, sie heißt:

"Der kleine Bankkaufmann hat die Seuche am Fuß"

Es war einmal ein kleiner Bankkaufmann, der hatte viele schöne Maschinen. Welche, die Geld ausgaben, wenn man bunte Kärtchen hineinschob, welche, die bei den gleichen Kärtchen wie wild Papier bedruckten, und noch viele mehr. Unter anderem hatte er auch einen AKT (Automatischen Kassentresor). Dieser war schon in die Jahre gekommen, er lief noch unter Gedis (Textbasiertes Bankenbetriebssystem), der letzte seiner Art in der Firma des kleinen Bankkaufmannes.

Eines Tages am Ende des Sommers 1998 entschloss sich der kleine Bankkaufmann, auch diesen AKT nunmehr unter dem neuen, tollen GEBOS (Grafikorientiertes Bankenbetriebssystem) der Weisen aus Erwehgenien laufen zu lassen. So bestellte er einen Umrüstsatz, welchen IBM dann in rasender Geschwindigkeit im Mai 1999 lieferte. Eine etwas lange Zeit, wie der kleine Bankkaufmann meinte, doch IBM hatte Lieferschwierigkeiten. Es ist einfach ein langer Weg von Burundi nach Deutschland, außerdem ist der Arbeiter, welcher die Teile herstellt, wohl von einem Nashorn gerammt worden, und qualifizierter Ersatz ist schwer zu bekommen, und die Schimpansen, welche früher die Bauteile hergestellt haben, sind wohl alle als IBM-Techniker nach Deutschland übernommen worden. Diesen Eindruck hatte jedenfalls der kleine Bankkaufmann, als Tag 1 der Umrüstaktion beendet war.

Der Techniker, dessen Namen wir aus rechtlichen Gründen nicht nennen dürfen, heißen wir ihn einfach mal Rainer M., äh nein, das ist zu auffällig, sagen wir lieber R. Mahner, baute eine neue Karte ein und vernichtete dabei, wie sich später herausstellte, die ganze restliche Elektronik. Jedenfalls verließ er an jenem Tage fluchtartig die Geschäftsräume des kleinen Bankkaufmannes, welcher sich zu jener Zeit beim Techniker des Beleglesers befand, um jenen rundzumachen, da nach der Softwareumstellung auf Euro ja gar nix mehr lief. Glücklicherweise konnte das Problem mit dem AKT aber bereits eine Woche später, nach Austausch der kompletten Elektronik auf Kosten von IBM, behoben werden.

Am Dienstag der darauffolgenden Woche hatte unser armer, kleiner Bankkaufmann mal wieder länger zu tun und konnte so seinen heißgeliebten Italienisch-Unterricht nicht besuchen. Und als es 20 Uhr war, klingelte an der Türe der Bank ein Kurskollege des kleinen Bankkaufmannes und teilte mit, er sei gefrustet und würde sich jetzt noch wegschmeißen. Da konnte der kleine Bankkaufmann auch nicht anders. Er ging mit dem Kollegen und leerte sich zahlreiche Spezis in den hohlen Schädel, aß noch ein paar Spaghettis und ward zufrieden.

Vielleicht wäre er aber doch besser nach der Arbeit nach Hause gegangen, denn es wurde etwas später, und als der kleine Bankkaufmann am Mittwoch morgen, am Tage der Lotus-Notes-Umstellung aufwachte, zeigte das Zeiteisen bereits 8.29 Uhr. Hurtig machte er sich auf den Weg, doch leider erwartete ihn in der Bank wieder nix gescheites.

Gegen 9.30 verabschiedete sich mit großem Feuerwerk, mit herrlichem Rauchen, Stinken und Röhren seine USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung). Woraufhin sich natürlich alle Server herunterfuhren und der Betrieb kurzfristig stillstand. Da sah der kleine Bankkaufmann mal wieder, wie viele Freunde er hatte, alle kamen sie und sprachen ihm gut zu (wenn's it glei wieder lauft, kasch deine Papier holla ...). Es war ja kein Problem, Strom war ja anderweitig noch da, und um 17.00 wurde  auch schon eine neue USV geliefert. Der AKT ging mittlerweile auch, nicht schlecht, so eine Woche nach Beginn der Aktion.

Wieder ward es 20.00 Uhr, und wieder klingelte es wie durch ein Wunder an der Türe. Diesmal war es ein Arbeitskollege, welcher vor dem heimischen Tupperabend geflohen war, noch zum Einkehren wollte und noch Licht in der Bank sah und Mitleid mit unserem kleinen Bankkaufmann hatte. So gingen sie noch gemeinsam zum Einkehren, und die Seuche hatte vorerst ein Ende.

Und jetzt schlaft gut, liebe Kinder, es ist 19.00 Uhr am freien Mittwoch Nachmittag, und der kleine Bankkaufmann muss weiterarbeiten !