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Liebe Kinder,

heute will ich euch wieder mal eine Geschichte vom kleinen Bankkaufmann erzählen. Die Geschichte heißt 

Rote Nummer 1: "Neues aus Hakle-Land"

Der kleine Bankkaufmann hatte sich aufgrund seiner wirtschaftlichen Notlage und 
aufgrund seines Hobbys ein Nebengewerbe zugelegt. Fortan handelte er mit exquisiten Feurerstühlen aus aller Herren Länder.

Im düsteren Herbst und im bitterkalten Winter stöberte er umher, trieb Handel und Wandel, lud seinen getreuen Gomm-Anhänger voll mit edlen Gefährten, und schleifte diesen mit seinem genügsamen Motorross "Audi" von dannen. Durch Eis und Schnee, durch finsterste Nacht.

Und als das Frühjahr nahte, hatte der kleine Bankkaufmann die Hallen mit edler Ware gefüllt. Er beschloss, sich ein rotes Dauerkennzeichen zu besorgen, auf das er es beim Verkaufen leichter habe, da dann ja auch Probefahrten möglich wären. Er besorgte sich also eine Doppelkarte, schnappte sich seinen Gewerbeschein und ging am nächsten Tage frohen Mutes zur Zulassungsstelle.

"Ich hätte gerne ein rotes Dauerkennzeichen", sprach er fröhlich, Am liebsten vorne ein langes und hinten ein breites, damit ich auch Autos damit holen kann, die Versicherung hats mir erlaubt !"

Doch seine Träume zerstoben im Nu, denn die Dame auf der anderen Seite des Tresens fing mit Ihren Belehrungen an: "Was, ein rotes Dauerkennzeichen ? Einfach so ? Soooooooooooooooooooooooooooo geht das aber nicht. Da brauchen wir ein polizeiliches Führungszeugnis, einen Auszug aus dem Verkehrszentralregister, den Gewerbeschein, die Geburtsurkunde, den Impfpass, das Zahnarztbonusheft, einen Stammbaum, der mindestens bis zum 30jährigen Krieg reicht und notariell beglaubigt ist, mindestens 3 Schreiben von Beamten, welche diesen unerhörten Vorgang befürworten, ihre Lohnsteuerkarte, eine Bankbürgschaft in unbegrenzter Höhe, eine Lohnbescheinigung, den Arbeitsvertrag, die  Kaufrechung Ihrer Schuhe und ein ärztliches Attest. Und ausserdem müssen Sie mir achweisen, warum Sie überhaupt ein rotes Dauerkennzeichen brauchen, da könnte ja jeder kommen !"

Nun wusste der kleine Bankkaufmann, warum sich zwischen Ihm und der Dame eine  massive Panzerglasscheibe befand. Auch die Tür zeigte sich seinen Fußtritten gegenüber resistent. "Wie zum Teufel soll ich außer einem Gewerbeschein nachweisen, dass ich eine rote Nummer brauche ?!" fluchte er. Auch darauf hatte die Dame eine dumme Antwort: "Indem sie mir diesen Bogen in 2-facher Ausfertigung ausfüllen. Tragen Sie einfach ein, wann sie in den letzten Monaten ein rotes Kennzeichen hatten, und gleich in wenigen Jahren werde ich dies dem zuständigen Sachbearbeiter in Ravensburg weiterleiten, welcher dann selbstherrlich darüber entscheidet, ob sie so was bekommen oder auch nicht."

Der kleine Bankkaufmann sah sich schon in einem schicken, weißen Jäckchen mit etwas zu langen Ärmeln in einem tollen grünen Wägelchen Richtung Weissenau (dort befindet sich eine Irrenanstalt) verschwinden, aber er versuchte es nochmal mit all seinem Charme und mit ein paar vernünftigen Argumenten, obwohl er sich davon wenig versprach. "Liebe Frau", säuselte er, "ich habe mein Gewerbe erst im Herbst letzten Jahres angefangen und will nun im Frühjahr die erworbenen Maschinen verkaufen. Bis ich von Ihnen ein Kennzeichen habe, ist die Saison dann längst vorbei. Und außerdem kostet ein Kurzzeitkennzeichen der Versicherung ca. 120 Hämmer plus dem, was sie noch einsacken. Wenn ich mir da ein paar mal ein rotes Kennzeichen hole, bin ich Ratzfatz ein paar Tausender los." "Dafür kann ich auch nix", meinte Sie. Offensichtlich verfügte Sie aber doch über soviel Menschenkenntnis, um zu sehen, das der kleine Bankkaufmann kurz davor war, aus dem Kofferraum den Reservekanister zu holen und den ganzen Laden abzufackeln. "Ich gebe Ihnen wohl am Besten mal die Nummer des zuständigen Sachbearbeiters in Ravensburg". Der kleine Bankkaufmann zog wutentbrannt von dannen, prügelte seinen Audi nach Hause und schnappte sich sofort das Telefon.

Er erreichte aber nur die Sekretärin, welche mitteilte, dass ihr Herr und Meister eine wichtige Besprechung habe und folglich nicht gestört werden dürfe. In der Tat, man hörte das Kaffeegeschirr klappern, wirklich wichtiger, als sich mit dem gemeinen Proletenpack rumzuärgern, welches ja nur die Gehälter und fetten Pensionen zu finanzieren hat. Der kleine Bankkaufmann solle es doch in 10 Minuten nochmal probieren. Dies tat unser armer, kleiner, gefrusteter Bankkaufmann dann schließlich auch. Der Herr sei immer noch verhindert (der Kaffee schmeckte offensichtlich zu gut), aber vielleicht könne sie ja auch weiterhelfen.

Der kleine Bankkaufmann schluchzte also seine ganze mitleiderregende Geschichte ins Telefon, und welch Wunder, die Dame konnte tatsächlich helfen: "Das wurde ja schon länger
vereinfacht. Sie brauchen nur noch den Gewerbeschein, das polizeiliche Führungszeugnis und einen Auszug aus Flensburg. Komisch, dass die Aussenstelle das noch nicht weiss, werde da mal anrufen". Der kleine Bankkaufmann fuhr also wieder hoffnungsfroh zur Zulassungsstelle. "Das war wohl ein Griff ins Klo, tut mir leid, das wusste ich noch nicht" schallte es Ihm entgegen. Die Dame beantragte ihm nun den Auszug aus Flensburg, nahm ihm einen Zehner ab und schmiß ihn wieder raus. Das polizeiliche Führungszeugnis müsse er beim Einwohnermeldeamt beantragen, rief sie ihm nach. Wie naiv doch unser kleiner Bankkaufmann ist: da geht er doch tatsächlich am Mittwoch Nachmittag noch aufs  Einwohnermeldeamt ! Natürlich war dort geschlossen, denn geöffnet ist dort nur vormittags von 9:15 und 9:25, wobei bis 9:20 kein Schwein da ist und ab 9:21 bereits wieder Pause ist. Egal, dachte sich der kleine Bankkaufmann, komme ich halt morgen wieder.

Am Donnerstag um 9:20 stand er also im Einwohnermeldeamt auf der Matte. Um sich den nächsten Nackenschlag abzuholen. "Sie wohnen doch in Mittelurbach. Also müssen Sie auch dort das Führungszeugnis beantragen !" sprach das Fräulein auf dem Amt. Ein paar freundliche Worte und ungezählte wüste Drohungen des kleinen Bankkaufmanns überzeugten Sie aber doch, ausnahmsweise unbürokratisch zu handeln. Auch Beamte haben offensichtlich einen gesunden Überlebenswillen. In ca. 8 Tagen sei das  Führungszeugnis aus Berlin da. Der kleine Bankkaufmann wunderte sich, denn schließlich war er über 12 Jahre schon nicht mehr in Berlin gewesen...

... dennoch freute er sich: denn wenn er alle diese Unterlagen hätte, könne er sofort ein rotes Dauerkennzeichen mitnehmen, versprach man Ihm.

Und so endet der erste Teil unserer Geschichte. Wird der kleine Bankkaufmann seinen Wunsch doch noch erfüllt bekommen ? Wird er über das Beamtenimperium obsiegen ?

Mehr davon erfahrt ihr vielleicht schon bald ! Aber jetzt ist erst mal Feierabend, es ist schon wieder mal 19:32, und mein Magen knurrt. Erzählen macht hungrig !

Und die Moral von der Geschichte: wir leben in H a k l e - L a n d !

"Hakle-Land, für jeden Scheiß drei Durchschläge !!!"

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