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Liebe Kinder,

wie versprochen, will ich euch heute wieder mal eine lustige Geschichte vom kleinen Bankkaufmann auch genannt "Der kleine Motorradhändler" erzählen, die Geschichte heisst:

"Die Polizei, dein Freund und Helfer" oder 
"Na warte Freund, Dir helfen wir ..."

Wie ihr vielleicht wisst, hatte unser kleiner Motorradhändler schon immer ein Herz für seine Landsleute im Osten und für deren Fahrzeuge. Schließlich war sein erstes Motorrad eine wunderschöne MZ ETZ 251 aus Zschopau in Sachsen, welche ihn aber nur einen Monat trug. Danach kreuzten sich ihre Wege mit denen eines Opel Kadett, aber das ist eine andere Geschichte.

Eines Tages dachte unser kleiner Motorradhändler daran, seinen Fuhrpark auch um Ost-Vierräder zu erweitern. So fuhr er frohen Mutes nach Sachsen und kaufte sich dort seinen ersten Barkas B 1000, einen schönen, herzig aussehenden Bus. Doch damit nicht genug. Immer wieder fielen ihm in Online-Versteigerungen auch alte Trabanten auf, welche auch sehr günstig angeboten wurden. Flugs ans Werk, schnell waren zwei Trabis in Dresden ersteigert, und so beschloß der kleine Motorradhändler, diese am Karfreitag zusammen mit einem Kumpel und einem Autoanhänger abzuholen.

So fuhren sie also los, morgens um vier, und dank des getreuen Audis des kleinen Motorradhändlers ging es flott voran. Schon bald ließen sie die alte Kaiserstadt Nürnberg hinter sich und fuhren über die ehemalige Grenze. Doch dann, es war schon gegen Mittag ungefähr auf der Höhe von Chemnitz: der kleine Motorradhändler befand sich wie meistens auf der Überholspur (natürlich mit maximal 80 km/h), als von hinten ein hartes, metallisches Geräusch an das langsam ertaubende Ohr des kleinen Motorradhändlers drang. Was war das ?

Ein auf der Kriechspur fahrender Hyundai wollte ausscheren, übersah dabei aber wohl den Autoanhänger. Der kleine Motorradhändler fuhr auf den Pannenstreifen, wo sich auch bald der Hyundaifahrer einfand. Doch der Anhänger war noch völlig intakt, guter deutscher Stahl, dachte sich unser Freund, nur das Glas der rechten Begrenzungsleuchte war kaputt, aber das Licht selber ging noch. Der Hyundai-Fahrer, ein älterer Herr mit sächsischem Akzent, war total geknickt aufgrund des Vorfalls und entschuldigte sich tausendmal. Doch der kleine Motorradhändler konnte ihn schnell beruhigen, schließlich war ja niemanden etwas passiert, der kleine Koreaner aber sah doch etwas lädiert aus. Nachdem der kleine Motorradhändler noch schnell den auf dem Hänger befindlichen Zähler für abgeschossene Reisschüsseln aktualisiert hatte, ging es weiter Richtung Dresden - direkt in den Stau ... 

... welcher sich aber bereits nach wenigen Stunden auflöste, und so schlugen unsere zwei Freunde in Dresden auf. Was man ruhig wörtlich nehmen kann, denn das Kopfsteinpflaster der Innenstadt erwies sich offensichtlich als resistent gegen die Feuerstürme und Bombennächte des letzten Krieges. Doch abgesehen davon ist Dresden eine wunderschöne Stadt mit herrlichen Bauten, welche immer eine Reise wert ist.

Beim ersten Trabi angekommen, waren unsere Freunde sehr positiv überrascht - nein, nicht vom Fahrzeug, eher von der Freundin des Verkäufers ...

... und nachdem unser kleiner Motorradhändler seine Python wieder besänftigt hatte, konnte der Trabi auch auf den Hänger verladen werden. Es waren noch Unmengen an Teilen dabei, und von der Nachbarin bekam er noch eine komplette Fleischwolfgarnitur in Originalverpackung geschenkt. 

Danach machten sie sich auf zum nächsten Trabi, luden auch dort noch Teile ein, schraubten die rote Nummer an und fuhren gen Westen. Doch leider nur bis zur ehemaligen Grenze. Denn kaum konnte unser blauer Trabant den Grenzturm nicht mehr sehen, ging er auch schon aus. Er wollte halt kein Republikflüchtling sein, und von Grenzöffnung und Einheit hatte er wohl noch nie gehört. Der Fehler war schnell gefunden. Eine Kleinigkeit eigentlich. Der Vergaser hatte sich zugesetzt. Da die beiden aber kein Werkzeug hatten und der kleine Motorradhändler sowieso im ADAC war, beschlossen sie, den Trabanten abschleppen zu lassen. Sogar der Rücktransport ist im Schutzbrief inbegriffen, jedenfalls dann, wenn man auf den Leihwagen verzichtet. (Tipp an alle !).

Nun waren unsere Freunde in Hof, gingen erstmal gepflegt dinieren, es gab fritierte Kartoffelstäbchen an Tomatenmousse und Schweine- und Rinderhacksteaks auf getoasteten Weissbrotscheiben, garniert mit Gemüse, Mayonnaise und Tomatenmousse. Auf gut deutsch: sie waren bei McDonalds und pfiffen sich einen Burger mit Pommes rein. Da saßen sie also nun und dachten, es könne nicht mehr schlimmer kommen ...

... sie fuhren also weiter, immer die Heimat vor den nun schon müden Augen. Es war schließlich schon Nacht. An der Raststätte Ellwanger Berge fuhren sie heraus, um sich an köstlichen Getränken (kalter Spezi !!!) zu laben. Als sie dann beim Tanken waren, fielen ihnen noch ein paar Herren in Uniform auf, welche sie aber nicht sonderlich beunruhigten. Sie fuhren also weiter ...

... und mussten feststellen, dass der wilde, wilde Westen nicht gleich hinter Hamburg, sondern zwischen Ellwangen und Ulm anfängt. Ein Polizeifahrzeug überholte den kleinen Motorradhändler und schaltete seine Leuchtanzeige auf dem Dach ein, auf der zu lesen stand "Idioten an Bord", äh nein, da stand "John Wayne on tour", nein, wieder falsch, da stand "Polizei - bitte folgen".

Geschrieben, getan, am Rasthof Lonsee ging es raus, und es folgte eine Polizeikontrolle, wie sie unsere Freunde noch nie erlebt hatte. John Wayne ist nicht tot, er lebt und dient bei der Autobahnpolizei. Rambo und all die anderen wirklich harten Jungs sind seine Kollegen. Nur die wirklich coolen tragen nachts um 1.45 Uhr noch eine Sonnenbrille, und nur die haben den Finger immer an der Knarre, nur die behandeln Dich wie Dreck. Nachdem der Oberwachtelmeister nach ca. 20 Minuten festgestellt hatte, dass weder überladen war, noch Fahrer und Beifahrer steckbrieflich gesucht werden, noch der Führerschein entzogen oder irgendwelche Impfungen abgelaufen waren. Fahrzeug und Hänger noch TÜV hatten und der Trabant nicht gestohlen sondern ordnungsgemäß gekauft war, wurde er sichtlich grimmig.

Was denn in dem Trabanten drin sei, wollte er dann wissen. Dem kleinen Motorradhändler, einem guten Scherz nie abgeneigt, lagen die Worte "Naja, so wie immer eine Kiste Kalaschnikovs, ein paar Panzerfäuste und den Familienbedarf an Heroin" schon auf der Zunge, aber wie würde er wohl aussehen mit all den Schusswunden, welche ihm all die Wachtelmeisters in Notwehr zufügen würden ? Und das Gericht würde wohl auch kaum an der Aussage von vier Beamten zweifeln, welche alle aussagten, dass unser Freund Selbstmord begangen hätte. Von Hinten mit vier Pistolen und 97 Schüssen, mehrmals habe er nachgeladen, würden sie bezeugen, und der Richter, der wahrscheinlich sowieso Zivi war, würde diese Aussagen ob seiner Unkenntnis wohl nicht mal anzweifeln.

So sagte er also die Wahrheit, schmierige, ölige Ersatzteile seien drin, und unsere harten Jungs verzichteten auf Nachprüfung. Doch schlagartig erhellte sich die Miene der Staatsgewalt, er habe die Abreissleine des Hängers nicht an der Hängerkupplung befestigt, dies sei ein schwerwiegender Bremsmangel, das würde einen Blauen und 3 Punkte kosten und jemand wie er könne froh sein, überhaupt noch weiterfahren zu dürfen. Er solle jetzt gehen und sich heute nicht mehr blicken lassen, rieten sie ihm. Und so verließ unser kleiner Motorradhändler (der immer noch der Meinung war, eine einfache Ermahnung hätte es getan) den Ort des Grauens. Im Rückspiegel seines Audis konnte er noch beobachten. wie einer der Polizeidaimlers sich mit Blaulicht und Sirene vor einem wegfahrenden PKW querstellte, um diesen am Wegfahren zu hindern. Daher hatte Stallone also den Stoff für seine Rambo-Filme...

Die weitere Fahrt verlief problemlos, und so kamen sie am Samstag morgen um vier wieder zu Hause an. Der kleine Motorradhändler legte sich noch aufs Ohr, schließlich wollte er um 9.00 in seinem Geschäft sein und seine heiligen Hallen öffnen. Doch soweit sollte es nicht kommen, denn um 8:15 klingelte das Telefon, einer der Geldausgabeautomaten der Bank würde nicht gehen. Als unser Freund dann in der Bank ankam, gingen alle Automaten nicht.

Doch auch dies konnte gelöst werden. Und als unser kleiner Motorradhändler dann zuhause ankam, fand er einen freundlichen Spendenaufruf der Stadt in seinem Briefkasten, welche er für Parken auf der Bleiche erhalten hatte. Am Sonntag ging dann nur noch das Handy kaputt, ansonsten ging es aber PRÄCHTIG !!!

Tja, liebe Kinder, das wars wieder mal für heute, schlaft schön und träumt was schönes.