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Liebe Kinder,

wieder einmal ist es Zeit für eine kleine Geschichte, diesmal allerdings nicht
vom kleinen Bankkaufmann, sondern vom kleinen 

Motorradhändler der eine Guzzi verkauft.

Eines Tages hatte der kleine Motorradhändler, der nebenbei auch ein kleiner Bankkaufmann war, nach ungezählten Überstunden durch GEBOS

Er setzte also zwei Anzeigen ins Wochenblatt, für eine Moto Guzzi V 35 II und eine Suzuki GT 250 X7 und harrte der Dinge, die da kommen würden. Die Tage vergingen, und einige riefen an, schwallten dem kleinen Motorradhändler die Ohren voll und kauften dann doch nix. Andere trauten sich schon mehr, die wollten die Maschinchen sehen. Und so begab es sich, das am Samstag mehrere Leute kamen, um seine kleine Guzzi zu bestaunen. Um ca. 13.00 Uhr hatte sich ein älterer Herr angemeldet, welcher dann auch auf seinem Feuerstuhl, einer Moto Guzzi 1000 Convert (ein Motorrad mit Automatik, sehr selten !!!) zusammen mit seiner Gattin namens Blondie einrift.

Der Mann muss Beamter sein, dachte sich der kleine Motorradhändler bereits nach wenigen Worten. Beide hatten sie kurze Hosen an. Der kleine Motorradhändler meinte, so zu fahren sei doch gefährlich, aber die beiden entgegneten, sie würden eh immer nur um die 80 fahren. Schneller läuft der Schlegel ja eh nicht, dachte sich der kleine Motorradhändler, sagte es aber den beiden nicht (er fürchtete die geschäftsschädigende Wirkung. Der Mann hub nun zu einem gewaltigen Wortschwall an. Er wolle die Maschinen immer nur im Originalzustand, und wenn er die Guzzi kaufe, müsse er sie ja wieder in jenen zurückversetzen. Der kleine Motorradhändler entgegnete, die Maschine sei im Originalzustand, was der Realitität entspricht. Doch der Mann zog aus seiner Satteltasche (wahrscheinlich aus seltenem tibetanischem Bergziegen-Penisleder gefertigt) ein Guzzi-Buch, um die Maschine genau zu überprüfen.

Dann fing das große Wehklagen an. Er müsse soooo viel in die Maschine investieren, die Maschine müsse komplett lackiert werden, die Seitendeckel auch, und der Tank sei wahrscheinlich komplett verrottet. Er sehe zwar oben beim Hineinsehen rostfrei aus, aber er würde sich auskennen. Unten würde er wahrscheinlich ganz verrostet sein und nur noch durch den Lack zusammengehalten. Auch brauche er sofort neue Auspufftöpfe (obwohl die alten zwar vom Chrom her etwas matt, aber noch komplett in Ordnung waren). Der kleine Motorradhändler sah, dass das ganze wohl keinen größeren Sinn machen würde und fing nebenbei an, seine Morini zu putzen, damit die Zeit nicht ganz verloren sei.

Nach geraumer Zeit und andauerndem Klagen wollte der Mann dann doch noch eine Probefahrt machen, obwohl das Ding ja eigentlich komplett im Eimer sei. Der kleine Motorradhändler stimmte dem zu und schraubte also seine innig geliebte rote Nummer (ihr werdet euch vielleicht noch an die Geschichte erinnern ...) an die kleine Guzzi und warf sie an. Und damit begann nun der eigentliche Spaß.

Wie gesagt, der Mann fährt normalerweise ein Automatikmotorrad, und so begannen schon gleich die Probleme. Er drehe nun schon die ganze Zeit am Gas, und die Maschine fahre trotzdem nicht los, was denn noch alles kaputt sei. Der kleine Motorradhändler fing fast an, seine Hose vor Lachen zu benässen, erklärte dem Mann aber doch noch einigermaßen cool und freundlich, er solle doch einfach versuchen, die Kupplung zu ziehen und den ersten Gang einzulegen. Danach die Kupplung wieder langsam loszulassen und wegzufahren.

Nach einigem Mal abwürgen und wieder anlassen schoß er dann wild von dannen. Er fuhr aber nur ein paar Meter, um dann wieder umzudrehen und am kleinen Bankkaufmann vorbei zurückzufahren. "Die Gänge wechseln nicht, ich hab immer noch den Ersten drin", schrie er verzweifelt vom fahrenden Motorrad herunter. "Schalten !!!", schrie der kleine Motorradhändler zurück, nun sichtlich bemüht, nicht die Ernstheit zu verlieren, denn schließlich stand Blondie ja noch bei ihm. Ein vernehmliches Krachen zeigte dem kleinen Motorradhändler an, das er es wohl doch noch in den zweiten geschafft hatte ...

... als Blondies Mann dann zurückkam, begann erneut das Jammern. Er würde sich bei Motorrädern wirklich gut auskennen. Ja, ja, Schwallhalla, dachte sich der kleine Motorradhändler, das sieht mir nicht so aus. Der Kupplungszug sei ja anders verlegt als an seiner Guzzi, wo denn der hinginge. In die Kupplung vermutlich, entgegnete der kleine Bankkaufmann trocken. Außerdem habe seine Guzzi ja eine Automatik und benötige folgerichtig keine Kupplung, legte der kleine Motorradhändler noch eins drauf. Diese Schläge saßen offenbar, den einige Zeit brachte der vermeintliche Experte keinen Ton mehr heraus. 

Dann aber machte er weiter. Aber die Gabel, die sei doch irgendwie krumm, die Maschine habe wohl mal einen schlimmen Unfall gehabt. Zur Sicherheit befragte er noch Blondie, welche natürlich wild bestätigte. Wortlos ging der kleine Bankkaufmann in die Garage, kehrte mit einem Stück Holz zurück, welches er an die Gabel hielt. "Perfekt", sprach er, "und außerdem: wenn die Gabel krumm wäre, müssten die Gabelsimmerringe undicht sein. Sind sie aber nicht, staubtrocken, die Gabel !!!". Das müsse nicht so sein, meinte der Mann (ein wahrer Kenner). Die Gabel sei wohl doch krumm, und überhaupt sei ja noch sooo viel zu machen.

Nunmehr war eine Stunde ins Land gezogen. Gnadenhalber würde er vielleicht doch 1200 Märker dafür zahlen. Behende wich er dem Zündkerzenschlüssel des kleinen Motorradhändlers aus, welcher damit klarmachen wollte, das er die Maschine um diesen Preis niemals verkaufen würde. Er erhöhte daraufhin sein Gebot auf 1500, aber der kleine Motorradhändler blieb stur, schließlich hatte er ja auch seinen Stolz, außerdem sollte die geliebte Guzzi nicht irgendeinem Dilettanten in die Hände fallen. Daraufhin sattelten der Mann und Blondie wieder ihre Maschine. Der kleine Motorradhändler verabschiedete sich von den beiden, konnte sich aber ein verbales Nachtreten nicht verkneifen: "Unter ihrer 
Maschine ist ja eine riesige Öllache !", sprach er lächelnd, worauf der Kopf des Mannes leuchtete wie ein holländischer Wasserbeutel (Verkaufsbezeichnung: Tomate).

Tja, liebe Kinder, das war nun die Geschichte der kleinen Guzzi. Aber es gab doch noch ein Happy End. Am Dienstag kam noch eine junge Frau vorbei, welche sich spontan in die Guzzi vernarrte und sie kaufte.