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Liebe Kinder,

heute will ich euch mal wieder eine Geschichte vom kleinen Motorradhändler (auch das kleine Bänkerlein genannt) erzählen, die Geschichte heißt:

"Von Leuten, die Garagen bauen wollen (und anderen Anarchisten)" 

Der kleine Motorradhändler hatte sich, da die Geschäfte florierten, ein eigenes Grundstück samt einem Lager gekauft, welches er umbaute, um darin seine geliebten Maschinchen zu lagern. Den Rest des Lagers hatte er vermietet, um damit einen Teil seiner Schulden abzutragen. 

Lange hatte er für den Kauf gebraucht, denn Gebäude und Grundstück hatten leider zwei Besitzer. Das Grundstück gehörte der Bahn, einem Resozialisierungsinstitut für ehemalige Beamte. Sage und schreibe 11 Monate brauchte der kleine Motorradhändler, um den Kauf unter Dach und Fach zu bringen, wobei er zwischendurch nicht nur einmal das Gefühl hatte, die Leute von der Bahn hätten keine Ahnung und noch weniger Interesse. Schon klar, dachte der kleine Motorradhändler, die werden ja fürs Denken nicht bezahlt, sondern nur für Ihre Dienstjahre.

So weit, so gut. Der kleine Motorradhändler baute das Lager nun, da es November geworden war, um. Familie und Freunde halfen ihm dabei, und so konnte im Januar eingezogen werden. Da der kleine Motorradhändler im Juli des Jahres aber mehr Platz benötigte, dachte er sich: "Ich bau einfach an. Platz hab ich ja noch, und ich könnte ja mal einen Schiffscontainer hinstellen, der stört hier im Industriegebiet neben den Bahngleisen ja eh keinen." Sein Weiser, in Bausachen erfahrener Kollege riet dem kleinen Motorradhändler aber, erst einmal bei der Stadt nachzufragen, ob so etwas nicht genehmigungspflichtig sei. Der kleine Motorradhändler folge dem Rat. Er nahm eines Morgens die Baupläne mit und marschierte frohen Mutes zum Bauamt.

Dort mußte er dann erst einmal warten. Nach langer Zeit durfte er in das Büro eintreten,und es begann ein Gespräch zwischen dem kleinen Motorradhändler (KM) und dem Baubeamten (BB).

KM: "Ich würde gerne einen Container dort hinstellen, damit ich mehr Platz habe. Haben Sie was dagegen? Brauche ich gar einen Antrag?"

BB: "Wo ist denn das überhaupt ? In Pferdetal, am Bahnhof ? Was treiben Sie da überhaupt?"

KM: "Ich hab mir da das ehemalige Kunstdüngerlager gekauft. Ich handle mit Motorrädern, dafür hab ich zwei Boxen, der Rest ist vermietet."

BB: "Was, mit Motorrädern handeln? Ist da etwa auch eine Werkstatt dabei? Und am Ende ist da auch noch Benzin und Öl! Ist da auch noch eine ganze Tankstelle dabei?"

KM: "Nein. Wie gesagt, ich handle nur. Zum Reparieren bleibt mir wenig Zeit. Ich arbeite ja die ganze Woche. Benzin und Öl ist halt in den Fahrzeugen."

BB: "Soso, aha. Und in den anderen Garagen?"

KM: "Naja. Die einen haben Boote drin, die anderen Möbel, und einer Autos."

BB: "Nun, da brauchen wir eine Nutzungsänderung. Und da kommt dann auch noch das Gewerbeaufsichtsamt und sagt ihnen, ob und welchen baulichen Veränderungen sie noch vorzunehmen haben."

KM: "Bauliche Veränderungen? Hören sie mal, da war vorher Kunstdünger gelagert, welcher auch nicht ins Grundwasser gelangen durfte, da ist ein massiver Betonboden drin!"

BB: "Jaaa, man weiß ja nie. Und überhaupt und Tralala, und Vorschriften, blah blah blah..."

KM: "Und den Container?"

BB: "Also, da brauchen wir unbedingt einen Bauantrag, der muss dann zuerst bei der zuständigen Gemeinde in den Gemeinderat oder auch nicht. Kann ich jetzt nicht sagen. Und dann müssen wir ja noch entscheiden. Könnte sein, das wir das genehmigen. Tendenziell ja. Sie können sich ja mal so einen Container kaufen, aber auf eigenes Risiko natürlich. Wie wollen sie den denn überhaupt streichen? Ich meine, es muss ja auch ins Landschaftsbild passen!"

KM: "Ich dachte da an ein dezentes Mausgrau, genauso wie der große Betonklotz daneben aussieht. Wie lange dauert denn so ein Genehmigungsverfahren?"

BB: "Jaaaa. Ich weiss auch nicht. Kann man so nicht sagen. Schließlich ist  Ferienzeit, und überhaupt. Es muss ja erst in den Gemeinderat, also einen  Monat müssen sie denen schon geben, und dann kommt es ja zu uns, und wie gesagt, Ferienzeit und so."

KM: "Oh, oh ..."

BB: "Jetzt gehen Sie aber erst mal zum Sekretariat und lassen sich ein paar  Vordrucke geben."

Das wars dann. Um ein paar nutzlose, hirnlose Vordrucke reicher und um ein paar Mark ärmer zog der arme, kleine, frustrierte Motorradhändler von dannen. Fazit: Bauherren und Kleingewerbetreibende sind potentielle Kriminelle und müssen mit aller Härte der Gesetze an ihrem schändlichen Tun gehindert werden. Wo kämen wir da hin, wenn jeder plötzlich machen würde, was er wollte! Zu mehr Gelassenheit, vielleicht? Oder mehr Freiheit? Lieber nicht, denn das sind ja nun wirklich gänzlich undeutsche Tugenden!

Deshalb hier ein paar nützliche Regeln für das Leben in diesem unserem Lande:

1. Habe keine Ideen. Ideen stören den gewohnten Ablauf der Dinge

2. Denke nicht. Wenn Du denkst, könntest Du das ganze System in Frage stellen.

3. Entwickle um Himmels willen nie Eigeninitiative. 

4. Lass Dich gängeln wie alle anderen. Dann hast Du Ruhe.

5. Werde Beamter, denn sie haben die Macht. Jeder denkt, Politiker würden dies Land regieren, aber das stimmt nicht. Es sind die Beamten, die unser aller Leben mit Vorschriften umschlingen wie die Würgeschlange ihr Opfer.

6. Wecke nie schlafende Hunde (oder Beamte).

7. Wer schreibt, der bleibt.

Und denk dran: sie werden immer einen Weg finden, Dich zuzuscheißen !

In diesem Sinne, einen schönen Wochenanfang

wünscht ein frustrierter kleiner Bänker-/Motorradhändlerlein

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